Adaptive Desaktivierung und HIT – ein Erfahrungsbericht

Die Adaptive Desaktivierung hilft manchen Betroffenen – bei anderen geht sie nach hinten los und kann die Beschwerden, insbesondere das Asthma, sogar verschlimmern. Was könnte der Grund dafür sein?

Nehmen wir an, eine Person hat eine bestimmte Form der Histaminintoleranz, die sich nicht so sehr auf den Verdauungstrakt auswirkt, sondern vor allem auf die Schleimhäute (und das ZNS), wie es bei einer Histaminintoleranz durch eine HNMT-Abbaustörung der Fall ist. Diese Form der HIT kann unter anderem Dauerschnupfen, entzündete Nasennebenhöhlen und eine entzündete Bronchialschleimhaut mit entsprechenden Atembeschwerden verursachen. Bis auf die fehlenden Polypen also zum Verwechseln ähnlich mit einer Salicylsäure-Unverträglichkeit.

Und tatsächlich besteht auch eine Form der Salicylsäure-Unverträglichkeit, denn Salicylsäure aktiviert unter anderem Mastzellen,* die daraufhin Botenstoffe freisetzen: darunter ggf. große Mengen Histamin, die anschließend nicht abgebaut werden können – wodurch sich die Symptome dramatisch verschlechtern können.

Was würde nun in solch einem Fall bei einer Adaptiven Desaktivierung passieren, bei der Salicylsäure in steigenden Dosen verabreicht wird? Chris hat dazu einen Erfahrungsbericht geschrieben. Sie leidet an einer HIT durch HNMT-Abbaustörung, die zum Zeitpunkt ihrer Adaptiven Desaktivierung (AD) noch nicht diagnostiziert war. Mit Ihrem Erfahrungsbericht möchte Chris darauf aufmerksam machen, dass hinter einer erfolglosen AD eventuell eine unerkannte Histaminintoleranz stecken kann: Vielen Dank für diesen Bericht, Chris!!

Erfahrungsbericht zur Adaptiven Deaktivierung bei HNMT-Abbaustörung

Chris schreibt: Ich habe leider doppelt Pech, denn ich leide nicht nur unter einer Salicylsäure-Intoleranz, sondern auch noch unter einer Histaminintoleranz (wurde erst vor kurzem fest gestellt und die Diagnose hat ganze 50 Jahre gedauert, man möchte es kaum glauben). Die HIT ist in der Tat nur sehr schwer festzustellen, weil es keine verlässlichen Laboruntersuchungen hierzu gibt und die Symptome der einer Salicylsäure-Intoleranz auch noch sehr ähneln. Auf jeden Fall darf man bei einer Histaminintoleranz auf gar keinen Fall Aspirin einnehmen, weil es im Körper eine große Histaminausschüttung verursacht und somit lebensgefährlich bis hin zum anaphylaktischen Schock wirken kann. Das mag auch erklären, warum es mir nach meiner Desaktivierung immer noch schlechter ging, und ich kaum noch Luft bekommen habe, sie hat bei mir ein schweres Asthma ausgelöst, weil sich das Histamin vor allem auch auf die Atemwege (Bronchialschleimhaut) schlägt.

Warum ich dir das alles schreibe. Nun ich habe folgende Vermutung: Ich lese in eurem Forum ja immer wieder von Fällen, bei denen die Desaktivierung – wie bei mir – nach hinten los geht, und das Asthma bei den Betroffenen sogar schlimmer wird. Vielleicht haben all diese Fälle ebenfalls eine nicht erkannte Histaminintoleranz. Beide Krankheiten stehen nämlich in irgendeiner Form in Zusammenhang, auf jeden Fall hat es etwas mit den Mastzellen zu tun, einer sogenannten Mastzellaktivierungsstörung. Es kommt also gar nicht so selten vor, das eine Salicylsäureintoleranz auch mit einer Histaminintoleranz (HIT) einhergeht.

Zwei Formen der Histaminintoleranz

Zur Histaminintoleranz möchte ich noch anmerken, dass es hier zwei verschiedene Formen gibt. Die eine hat mit der DAO zu tun und verursacht in erster Linie Durchfall, Bauchschmerzen etc. nach dem Essen. Diese Form ist relativ bekannt – auch bei Ärzten – und kann in der Regel sehr schnell diagnostiziert werden.

Dann gibt es noch die zweite Form: die HNMT Abbaustörung. Von dieser Form bin ich betroffen. Sie ist bei Ärzten praktisch unbekannt, verursacht keine Bauchschmerzen oder Durchfall nach dem Essen. Dafür sind die Symptome wie bei der Salicylsäureintoleranz. Das Histamin schlägt sich auf die Schleimhäute, verursacht Dauerschnupfen, entzündete Nasennebenhöhlen und eben auch auf die Bronchialschleimhaut mit dementsprechenden Atembeschwerden. Das Einzige was wegfällt ist das übermäßige Polypenwachstum.
Ansonsten hat eine HIT tausend verschiedene Gesichter und kann sich bei jedem mit noch zusätzlichen Symptomen immer etwas anders zeigen.

Vielleicht wunderst du dich, warum ich mich mit all diesen Sachen etwas auskenne. Ich habe nicht Medizin studiert, aber bin schon mein halbes Leben so krank und war daher bei den besten Naturheilärzten, Ärzten  und Heilpraktikern des Landes. Von ihnen habe ich sehr viel gelernt. Außerdem befasse ich mich seit über 25 Jahren mit diesem Thema, eigentlich sehr viel länger als ein Medizinstudium dauert. Wenn ich mich dann ab und an mal in euer Forum einklinke und lese, wie verzweifelt viele sind, und wie wenig die Ärzte eigentlich wissen, kann ich nicht anders als meinen Kommentar dazu abgeben, wie z.B. über bereits erwähnte „Magenschoner“ Omep und Co.

Mir stehen einfach manchmal die Haare zu Berge, wenn ich lese, was manche Ärzte (natürlich nicht alle – man kann nie alle über einen Kamm scheren)  euren Betroffenen so raten und wie ahnungslos und / oder desinteressiert einige Mediziner sind. Diese zwei Erkrankungen, die HIT aber auch Samter, sind noch so unerforscht und die Zusammenhänge noch lange nicht klar, aber da erzähle ich dir ja sicher nichts Neues.

Der Hauptgrund für diese sehr ausführliche Mail an dich ist eigentlich nur folgender: Ich wollte darauf aufmerksam machen, dass bei denen, wo eine Adaptive Desaktivierung nicht greift, vielleicht eine verborgene, unerkannte Histaminintoleranz in Form einer HNMT Abbaustörung dahinter steckt. In all diesen Fällen kann eine Aspirineinnahme zu einer deutlichen Verschlechterung des Krankheitsbildes führen und ist in jedem Fall absolut kontraindiziert, denn eine HIT kann man nicht desaktivieren. Auch viele Lebensmittel, die bei Salicylsäureintoleranz erlaubt wären, wie z.B. Bananen, würden zu einer Verschlechterung führen, weil sie sehr histaminhaltig sind.

… Dazu noch ein Link, in dem die zwei unterschiedlichen Formen der HIT sehr gut erklärt werden: http://www.histaminbase.at/chronischeHIT.php

Ich finde diese Seite sehr aufschlussreich und besser erklärt als ich es je könnte. Auf der linken Seite sind auch jede Menge Punkte zum Anklicken, die weiterführend Aufschluss geben. Mit diesen Informationen kann sich jeder selber ein Bild machen, ob er betroffen ist oder nicht.

Es gibt auch noch eine Schweizer Internetseite die sehr ausführlich ist und auch in den einzelnen Punkten zum Anklicken alle Medikamente, Narkosemittel, Röntgenkontrastmittel etc. erwähnt, die unbedingt zu meiden sind: http://www.histaminintoleranz.ch/de/einleitung_kurzfassung.html

Sei ganz herzlich gegrüßt

von Chris


*vgl. auch Molderings et al (2014): Systemische Mastzellaktivierungserkrankung: Ein praxisorientierter Leitfaden zu Diagnostik und Therapie

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3 Gedanken zu „Adaptive Desaktivierung und HIT – ein Erfahrungsbericht

  1. Das hat mir jetzt gründlich die Augen geöffnet und ich habe mich nun heute mit der Histaminose beschäftigt. Ich bin den links gefolgt und werde also auch alle Histaminrelevanten Lebensmittel weglassen. Von vielen meiner Symptome war mir nicht klar, dass sie vom Histamin komme , ich war nur froh, die Salicylatsymptome minimiert zu haben. Und eine gewisse Verdrängung, ein Nichtwissenwollen spielte auch eine Rolle. DANKE!

  2. Hallo Sylke und hallo Chris,

    vielen Dank, dass ihr auf den Zusammenhang zwischen Salicylat-Intoleranz und Histamin-Intoleranz bzw. Salicylat-Intoleranz und die spezifische Mastzellaktivierungserkrankung (MCAD) / das spezifische Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) hingewiesen habt. Ich möchte dazu noch ergänzen, dass es sich bei beidem um systemische Erkrankungen handelt, die somit zu verschiedensten Symptomen führen können. Bei Salicylat-Intoleranz-Betroffenen kann die Salicylat-Intoleranz z.B. mit Hilfe des „Funktionellen Eicosanoid-Typisierungs-Test“ (->http://www.talkingcells.org/layout/german/frameinhalt.htm -> ein hervorragender Experte und Ansprechpartner ist Herr Professor Baenkler, Uniklinik Erlangen) im Blut nachgewiesen werden (-> und als Goldstandard über eine Provokation bestätigt werden). Betroffen sind bei der Salicylat-Intoleranz „Grenzflächen“, somit die Haut und die Schleimhäute. Welches das hauptbetroffene „Organ“ ist, kann sich aber von Betroffenem zu Betroffenem unterscheiden. So gibt es Salicylat-Intoleranz-Betroffene, deren hauptbetroffenes „Organ/Organe“ sind z.B. die Nasen- und/oder Bronchialschleimhäute (-> wie u.a. bei Samter-Trias-Betroffenen), es können aber auch die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes, die Haut usw. betroffenen sein. Auch eine HIT mit HNMT-Abbaustörung (-> http://www.histaminintoleranz.ch/de/einleitung_kurzfassung.html) und/oder die MCAD oder das MCAS (-> http://www.mastzellaktivierung.info/de/einleitung.html -> Experte auf diesem Gebiet ist u.a. Herr Professor Molderings, Uniklinik Bonn -> https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0034-1370055.pdf) ist eine systemische Erkrankung und kann sich ebenfalls, je nach Betroffenen, an verschiedenen hauptbetroffenen „Organ/Organen“ und somit auch mit verschiedenen Symptomen bemerkbar machen. Bei dem einen ist das betroffenen Hauptorgan z.B. die Atemwege, bei einem anderen der Magen-Darm-Trakt, beim nächsten das Herz-Kreislauf-System, das Nervensystem usw.. Wenn bei MCAD-Betroffenen z.B. mehr Histamin ausgeschüttet wird, als abgebaut werden kann, treten nicht nur Beschwerden am hauptbetroffenen Organ auf, sondern auch systemisch an anderen Organen. Der schlimmste Fall ist dann ein anaphylaktoider Schock (sozusagen ein pseudoallergischer Schock, der Beschwerden verursacht wie ein allergischer/anaphylaktischer Schock, hervorgerufen allerdings durch nicht immunologische Mechanismen). Weil bei beiden Erkrankungen (Salicylat-Intoleranz und HIT oder Salicylat-Intoleranz und MCAD/MCAS) u.a. die Mastzelle eine wichtige Rolle spielt, gibt es hier auch Verknüpfungen, die wissenschaftlich noch nach und nach erforscht werden müssen. All diesen Erkrankungen ist auch gemeinsam, dass sie z.B. durch Stress, Infekte, zu starke körperliche Anstrengung, die Hormonlage usw. sich verschlechtern können. Manche Betroffene, die von beidem betroffen sind, profitieren z.T. davon, wenn sie sowohl hoch salicylathaltige als auch Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an biogenen Aminen meiden (-> natürlich nur, wenn sie sehr empfindlich auf Salicylsäure und biogenen Amine und/oder Histaminliberatoren, die zu einer Histaminaussschüttung führen (z.B. Zirtusfrüchte), reagieren). Und natürlich sollten Salicylat-Intolerante, die auch von einer HIT mit HNMT-Abbaustörung oder von MCAD/MCAS betroffen sind, kein Aspirin (und u.a. auch keine NSAIDs) verwenden, weil dieses u.a. die Mastzellen dazu anregt, u.a. Histamin und/oder andere Mediatoren auszuschütten, und dies führt somit bei Betroffenen zur Verschlimmerung ihrer Beschwerden.
    Das Problem ist aktuell tatsächlich, dass sich kaum Ärzte mit der einen oder anderen und noch seltener mit beiden Erkrankungen auskennen. Ich empfehle daher den Betroffenen, u.a. die Links, die ich oben angegeben habe, zu lesen und auch den behandelnden Ärzten zu empfehlen (-> auch der Austausch mit den genannten Experten ist empfehlenswert). Dann können entsprechende diagnostische und therapeutische Schritte angegangen werden. Ich wünsche allen Betroffenen viel Geduld, Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen und natürlich eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustandes!
    Kerstin

    • Wow herzlichen Dank für die Infos
      Habe auch HIT -aber wie kann ich herausfinden ob es an der HNMt liegt ? Und könnte man dann wieder gesund werden ?
      Was ist wenn der Darm sehr viele histaminbilldende Bakterien hat – Darmsanierung und Ernährungsumstellung nichts bringen ? Wurde auch auf MACS getestet und es sieht wohl positiv aus …. Sorry manchmal würde ich einfach gern aufgeben …. das macht mürbe …

      Danke

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