Etagenwechsel rückwärts, oder: Was allergisches Asthma und Haferbrei miteinander zu tun haben

 

Gleich bei meiner Diagnose „Asthma“ bzw. Samter Trias wurde ich gefragt, ob ich auch Heuschnupfen hätte. Ja: schon solange ich denken kann jucken mir Augen und Nase, wenn ich zur Gräserpollenzeit im Frühsommer durch eine Wiese gehe. Mir wurde eine Hyposensibilisierung gegen Gräserpollen und Roggen empfohlen (auch Spezifische Immuntherapie oder SIT genannt), da man davon ausgeht, dass bei Gräserpollen-Allergikern, die später Asthma entwickeln, ein sogenannter „Etagenwechselvorliegt. Will heissen: die allergische Reaktion auf das Allergen „rutscht“ vom Kopfbereich (Augen, Nase) runter in den Brustbereich (Lunge, Bronchien). Eine Hyposensibilisierung soll die allergische Reaktion mindern oder ganz abstellen, wodurch dann auch die allergischen Asthmaanfälle ausbleiben (wohingegen Asthmaanfälle durch andere Auslöser davon natürlich unberührt bleiben).

Erst ist alles gut – aber dann …

Ich habe die Hyposensibilisierung damals erstmal nicht gemacht. Denn seit meinem Umzug vom Land in die Stadt hatte ich kaum noch Heuschnupfen-Beschwerden (außer bei Ausfügen in Gegenden mit blühenden Wiesen). Und auch das Asthma trat für mich in keinem erkennbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Belastung durch Gräserpollen auf. Soweit, so gut.

In den Monaten und Jahren nach der Diagnose habe ich mich dann viel mit dem Zusammenhang zwischen Ernährung und Samter Syndrom beschäftigt und meine Ernährung Schritt für Schritt komplett auf salicylsäurearme Lebensmittel umgestellt.

Plötzlich, drei Jahre nach der Diagnose Samter Trias, entgleiste dann das Asthma in der Gräserpollen-Saison. Ich konnte in der Pollensaison wochenlang ab dem Nachmittag keinen Schritt mehr vor die Tür machen, ohne einen deutlichen Asthma-Anfall zu bekommen. Mein Verbrauch an Kortisonspray stieg rasant an. Selbst bei relativ geringer Pollenbelastung reagierten meine Bronchien sehr deutlich.

Zusammenhang zwischen Ernährung und Gräserpollen-Asthma

Seit Jahrzehnten – seit meinem Umzug vom Land in die Stadt – war mein Heuschnupfen stabil und hatte mir sogut wie keine Beschwerden bereitet. Nur bei extrem starker Allergenbelastung, z.B. beim Sonnenbad in einer blühenden Wiese, hatte ich die typischen Heuschnupfen-Symptome. Das blieb auch stabil, nachdem ich Asthma bekommen hatte. Erst im dritten „Asthma-Jahr“ dann die überschießende Reaktion mit Atemnot auf Gräserpollen. Ich konnte mir darauf zunächst keinen Reim machen.

In dem Jahr fiel mir jedoch zunehmend auf, dass ich auch nach bestimmten Lebensmitteln Asthma bekam, die keine Salizylate enthielten. Insbesondere nach Muffins und Pfannkuchen. Die Reaktion war, wie fast immer, verzögert (in diesen Fällen um wenige Stunden), so dass ich eine Weile brauchte, um beides miteineander in Verbindung zu bringen. Einmal auf diese Spur gebracht, bestätigte sich in verschiedenen Ausprobier-Tests, dass ich tatsächlich immer ca. anderthalb bis zwei Stunden nach dem Verzehr von Getreide, das nicht oder nur kurz gegart war (Gebäck, Pfannkuchen, Haferflocken, Porridge), Asthma bekam.

Als zweites wurde mir jetzt bewusst, dass ich im Jahr vor der „Asthma-Gräserpollen-Krise“ im Rahmen meiner Ernährungsumstellung begonnen hatte, viel mehr ungegartes Getreide zu essen als zuvor. Insbesonderes hatte ich mir angewöhnt, morgens eine doppelte Portion Porridge (neudeutsch für Haferbrei) zu essen: ein Brei aus verschiedenen Getreideflocken, den man mit Wasser kurz aufkocht und dann noch warm z.B. mit braunem Zucker und Birnenstücken isst (das ist leckerer als man erstmal denkt und macht vor allem  sehr satt!).

Konnte es einen Zusammenhang zwischen dem Porridge und dem Gräserpollen-Asthma geben?

Etagenwechsel rückwärts

Lange Rede, kurzer Sinn: nachdem ich verschiedene Getreidesorten und Garmethoden durchprobiert hatte, habe ich im Herbst des „Asthma-Gräserpollen-Krisenjahres“ aufgehört, ungegartes oder nur kurz gegartes Getreide zu essen (einschließlich Brötchen und reinen Weißbroten; wohingegen ich Natursauerteigbrote immer gut vertragen habe).

Und im Sommer darauf war alles wieder zurück auf „normal“: ich hatte keine extremen Heuschnupfen und/oder Asthma-Reaktionen mehr auf Gräserpollen, außer bei sehr hoher Pollenbelastung. Et voilà: mein „Etagenwechsel rückwärts“ 🙂

4 Gedanken zu „Etagenwechsel rückwärts, oder: Was allergisches Asthma und Haferbrei miteinander zu tun haben

  1. Hallo, danke für den Beitrag. Kannst du nochmal genau sagen, welche Arten von Gebäck du gut verträgst? Das würde mir sehr helfen.
    Liebe Grüße
    Katharina

  2. Hallo Katharina,

    weil das manchmal für Verwirrung gesorgt hat, erst nochmal eine Erklärung vorab: dass ich viele Getreidesorten nicht vertrage und wenn, dann nur nach bestimmten Zubereitungsarten (z.B. gesäuerter Brotteig), dass liegt meist *nicht* an meiner Salicylsäure-Unverträglichkeit.

    Viele Getreidesorten (insbedondere, wenn sie stark verarbeitet sind – sprich: helles Weißmehl – enthalten keine Salicylsäure (Ausnahmen sind vor allem Mais in allen Variationen und manche Duftreis-Sorten).

    Ich vertrage Getreide vermutlich deshalb nicht, weil ich auf sie allergisch reagiere (so eine Art „Nahrungs-Heuschnupfen“).

    Wenn du also „nur“ eine salicylsäure-Unverträglichkeit hast, kannst du alles Gebäck essen, dass aus zulässigen Zutaten besteht, also z.B. keine Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Aromen oder andere Zutaten wie Obst, Nüsse, Gewürze … enthält. Kurz: am besten selber backen, dann geht sehr Vieles 🙂

    Für Menschen die, wie ich, Getreide oft nicht vertragen, gibt es z.B. Cashew-Reismehl-Kekse. Oder Zeugs aus Buchweizen (wobei ich da noch nach guten Rezepten suche …).

    Ich würde aber nicht ohne „Not“ oder auf Verdacht auf eine ganze Gruppe von Lebensmitteln verzichten, sondern nur, wenn ich Beschwerden nach dem Verzehr bestimmter LM, also z.B. Getreideprodukten, verspüre (oder um in einer Auslassdiät gezielt zu testen, worauf ich reagiere.)

    Ich hoffe, das hilft dir weiter.

    Viele Grüße
    Sylke

  3. Die Vertiefung der Atmung und Abschalten des so belastenden Bronchialkrampfs gelingt per Reflex relativ leicht mit Fingerdruck an der Oberlippe oder Nase (wie bei der Wechselatmung im Yoga). Bei der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen rümpft man die Nase auch mit diesem Reflex. Ich denke, dass man mit Einüben das Asthma mit der Zeit kausal geheilt wird.

    • Hallo Herr Richard Friedel,

      Sie werden ja nicht müde, ihre Theorie zur positiven Wirkung des Reflexpunktes zwischen Nase und Oberlippe bei Asthma in den unterschiedlichsten Foren zu posten 🙂

      Ich konnte bei einer kurzen Recherche leider nur eine andere Quelle finden, die auf die Verbindung zwischen GV 26 und Asthma hinweist ( http://www.med-vetacupuncture.org/english/articles/gv26.htm ). Die Seriosität dieser Quelle vermag ich nicht einzuschätzen.

      Ich kann aber aus einem kurzen Selbsttest bestätigen, dass sich die Nasenatmung bei mir selbst beim Druck auf den Reflexpunkt sofort und deutlich vertieft und ich empfinde das auch als sehr angenehm. (Auch wenn ich nicht glaube, dass durch eine Massage dieses Punktes ein Asthma ursächlich heilbar ist.)

      Vielleicht kann der ein oder andere mal ausprobieren, was Druck oder Massage dieses Punktes bei ihm/ihr bewirkt und ihre Erfahrungen hier posten!

      Viele Grüße
      Sylke

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