Salicylsäure und Urtikaria

Nicht alle Menschen mit einer Salicylsäure-Unverträglichkeit reagieren mit Asthma und Polypen. Die möglichen Symptome einer Salicylsäure-Intoleranz reichen von Kopfschmerzen über Gelenkschmerzen bis zum Tinnitus und von Gedächtnisstörungen über Depressionen bis zur Hyperaktivität. Sharla Race hat in ihrem „Salicylathandbuch“ nicht weniger als 54 verschiedene Symptome der Salicylsäure-Intoleranz zusammen getragen! Ein, neben der Samter-Trias, weit verbreitetes Symptom ist die Urtikaria.

Auslöser der Urtikaria I Die Rolle von Histamin I Quincke-Ödem I Behandlung I Zum Weiterlesen I

„Hives2010“ von James Heilman, MD
„Hives2010“ von James Heilman, MD

Urtikaria hat viele Auslöser

Bei der Urtikaria entstehen stark juckende Rötungen oder Quaddeln auf der Haut, die oft ähnlich aussehen wie eine Brennessel-Reaktion. Entsprechend ist die Urtikaria auch unter dem Namen Nesselsucht bekannt.

Es gibt sehr viele verschiedene Auslöser für eine Urtikaria, die man in vier große Gruppen einteilen kann:

  1. Autoreaktive Urtikaria
    eine Unverträglichkeit von körpereigenen Stoffen
  2. Infekt-Urtikaria bei chronischen Infekten, z.B. des Magen-Darm-Trakts
  3. Intoleranz-Urtikaria
    eine Überempfindlichkeit zum Beispiel gegen Inhaltsstoffe in Medikamenten oder Nahrungsmitteln (z.B. gegen Salicylsäure in Obst oder Aspirin)
  4. Andere Auslöser, einschließlich Allergien, Wasser, Hitze, Kälte …

Histamin verursacht die Hautreaktionen

Die Rötungen und/oder Schwellungen der Haut und der starke Juckreiz werden durch den körpereigenen Botenstoff Histamin verursacht, den die sogenannten „Mastzellen“ nach Kontakt mit dem jeweiligen Auslöser ausschütten. Eigentlich ist Histamin (unter anderem) dazu da, bei einer Entzündung die nötigen Abwehrreaktionen des Körpers einzuleiten: es macht die kleinen Blutgefäße durchlässiger, so dass Abwehrzellen und -stoffe aus dem Blut an den Ort der Entzündung gelangen können. Gleichzeitig tritt auch Wasser aus den Blutgefäßen, so dass eine Schwellung entsteht. Schließlich verursacht Histamin in der Oberhaut einen massiven Juckreiz.

Bei einer Intoleranz-Urtikaria wird Histamin allerdings nicht aufgrund einer Entzündung ausgeschüttet, sondern als Reaktion auf einen unverträglichen Stoff, wie zum Beispiel Salicylate im Essen oder in einer Aspirin- bzw. ASS-Tablette.

Das Quincke-Ödem: die Urtikaria der Subkutis

"Angioedema2010" von James Heilman, MD.
„Angioedema2010“ von James Heilman, MD.

Wenn die Mastzellen das Histamin nicht in der Oberhaut ausschütten, sondern in der Unterhaut (Subkutis), dann entsteht die Sonderform des Quincke-Ödems. Weil das Gewebe in der Subkutis lockerer ist, kann sich das austretende Wasser hier großflächiger verteilen und anstelle der urtikaria-typischen Quaddeln entsteht eine großflächige, starke Schwellung. Der Juckreiz fehlt beim Quincke-Ödem, weil es in der Unterhaut keine Nerven gibt, die Juckreiz ans Hirn weiter leiten.

Die Schwellungen des Quincke-Ödems treten oft an den Augenlidern, am Mund und an den Genitalien auf. Wenn die Schleimhäute am Kehlkopf mit anschwellen, besteht akute Erstickungsgefahr (Glottisödem)!

Behandlungsmöglichkeiten

Eine „Heilung“ im eigentlichlichen Sinne gibt es für die Urtikaria nicht. Man versucht nach Möglichkeit, den jeweiligen Auslöser zu vermeiden – bei einer Intoleranz-Urtikaria gegen Salicylsäure zum Beispiel durch eine salicylsäurearme Ernährung. Akute Reaktionen werden, je nach ihrem Ausmaß, mit Antihistaminika oder Glukokortikoiden (Kortison) behandelt.

Quellen und zum Weiterlesen:

  • urtikaria network e.V.: http://www.urtikaria.net
  • Wikipedia, Nesselsucht: https://de.wikipedia.org/wiki/Nesselsucht
  • Rudolf Schweitzer, Dermatologie, Urban & Fischer, 2014
  • Sharla Race, The Salicylate Handbook, Tigmor Books, 2012

Bildnachweis:

  • „Hives2010“ von James Heilman, MD – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hives2010.JPG#/media/File:Hives2010.JPG
  • „Angioedema2010“ by James Heilman, MD – Own work. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Angioedema2010.JPG#/media/File:Angioedema2010.JPG

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5 Kommentare

  1. Hallo,und erstmal vielen Dank für die tollen und hilfreichen Infos hier auf dieser Seite.

    Ich habe seit Jahren auch Probleme die sich im letzten Jahr bis jetzt kontinuierlich gesteigert haben trotz aller Maßnahmen.
    Ich selbst habe nur den Verdacht auf Salicylate-Unverträglichkeit, einen Nachweis dazu habe ich nicht.
    Zumindest passt das was ich hier so lese ganz gut.
    Ich habe hauptsächlich Symptome im Hals, Juckreizanfälle, Brennen im Mund und Rachen schon beim essen oder danach, Druck am und im Hals auch teilweise beim Essen schon oder etwas später, Engegefühl und Schluckbeschwerden. Dazu natürlich immer wieder akute Panik und auch die üblichen HIT Beschwerden.
    Kann sowas auch auf Salycilat hindeuten? Gibt es quasi eine innerliche Urtikaria? Mir wurde mal gesagt, da platzen die Mastzellen auf , deshalb der Juckreiz.
    HIT hab ich, vermutlich vom HNMT Typ, dazu besteht auch der Verdacht auf MCAS. Mit den ganzen Zusammenhängen habe ich mich schon beschäftigt, Blicke da aber noch nicht ganz durch.
    Essen kann ich nichts mehr ohne irgendwelche Symptome…maximal noch Huhn gekocht. Versuche momentan soweit es geht, SAL zu meiden, was aber an den Symptomen nicht viel zu ändern scheint.
    Auch auf Nahrungsergänzungsmittel reagiere ich, wenn es zu viel auf einmal ist…

    Vielen Dank schon mal im Voraus
    Freue mich über jegliche Hinweise.

    LG Madeleine

    1. Liebe Madeleine,
      ich kann natürlich keine Ferndiagnose stellen und darf es auch nicht. Generell kann ich aber sagen, dass deine Symptome nicht tpyisch sind für eine klassische Salicylat-Intoleranz. Da liegt vermutlich (auch) etwas anderes zugrunde. Du solltest damit zu einer versierten Ernährungsberaterin gehen, die sich deine ganze Krankengeschichte anschaut und eine umfassende Erstanamnese macht, auf deren Grundlage man die Symptome dann ernährungstherapeutisch systematisch angehen kann.
      Viele Grüße und alles Gute!
      Sylke

  2. Hallo, schon seit einem Jahr lese ich alle Berichte in den Foren. Mir tun die Menschen welche mit dem Samter trias auf die ASS reagieren sehr leid. Ich selber habe die Dieagnose einer ASS Unverträglichkeit vor 10 Jahren erhalten. Ich hatte einfach bei der Einnahme von Aspirin iBrufen & Co. festgestellt, dass ich am Hinterkopf immer änder Selben Stelle 2 Quaddeln bekam, welche dann für die Dauer der Wirkung des Medis anhielten. Eines Tages habe ich das bei einem Hautarzt erwähnt, der mir dann mitteilte, dass ich unter ASS Unverträglichkeit leide. In der Uni hatte ich dann den Test in Form von bis zu einer 1 Gr. Gabe erhalten und wiederum bei 100 mg mit 2 Quaddeln reagiert. Dann habe ich die vielen Berichte der Leidenden gelesen und habe mich auf das Schlimmste vorbereitet. Nun bin ich 50 und ich habe weder Polypen noch Asthma. Ich habe immer gedacht, dass sich diese Krankheit ausbreitet bis zum Samter trias,. Nun habe ich aber gehört, dass es nicht unbedingt so sein muss. Auch die natürlichen Salyzide in der Nahrung scheine ich zu vertragen. Ich esse alles. Jemand hat geschrieben, dass eine Störung im Stoffwechsel vorliege, was bedeutet, dass das Cholesterin im Blut schlecht eingestimmt ist. Ich kann mir das nicht vorstellen, denn nicht jeder der unter dem Samter trias leidet, hat schlechte Cholesterin Werte….
    Von meiner HNO-ÄRZTIN habe ich gehört, dass Nasenpolypen ab 50 nicht mehr kommen, falls man vorher nicht schon darunter gelitten hat. Wer hat auch nur geringe Symptome und kennt sich mit dieser Unverträglichkeit mehr aus? Ich würde mich über eine Anschrift sehr freuen Petra

    1. Hallo Petra,

      willkommen auf der Samter-Trias-Seite!

      Eine Salicylsäure-Unverträglichkeit kann sich tatsächlich in verschiedensten Formen äußern. Die Samter-Trias und die Urtikaria sind nur die beiden bekanntesten Formen. Un dwer eine Urtikaria von ASS bekommt, muss keine Polypen entwickeln (es gibt aber auch Leute, die beide Symptome haben).

      Auch die individuelle Empfindlichkeit gegen Salicylsäure ist sehr unterschiedlich: manche reagieren schon bei den geringsten Mengen, andere, wie du, vertragen nur die „Megadosen“ in Medikamenten nicht. Da hast du einfach mal Glück gehabt 🙂

      Das mit den „keine Polypen ab 50 Jahren“ hab ich so noch nicht gehört, aber ich denke auch, wenn die Symptome bei dir so lange schon so stabil sind, wird sich das vermutlich auch nicht mehr groß ändern.

      Abgesehen davon ist der aktuelle Stand der Forschung, dass eine Salicylsäure-Unverträglichkeit eine Fettstoffwechselstörung ist, bei der Arachidonsäure nicht auf den korrekten Wegen umgewandelt wird (siehe https://samter-trias.de/wp/arachidonsaeure-und-samter-trias/ ). Mit Cholesterin hat das aber nix zu tun. Also alles gut also soweit 🙂

      Viele Grüße
      Sylke