Salicylatfreie Zahnpasta

Weil Zahnpasta „frisch“ schmecken soll, enthalten die meisten Zahncremes in Deutschland Minze, Menthol oder minzartige Aromen, die allesamt stark salicylsäurehaltig sind. Die wenigen minz- und mentholfreien Zahnpasten enthalten andere salicylsäurehaltigen Aromen bzw. Pflanzenextrakte oder weitere problematische Inhaltsstoffe. Was sind die Alternativen?

Salz oder Natron als Zahnpasta-Ersatz

Das Team der Allergie-Abteilung des Royal Prince Albert Hospitals (das auf Unverträglichkeiten u.a. gegen Salicylsäure spezialisiert ist) empfiehlt, zum Zähne putzen auf Salz oder Natron auszuweichen.

Ionische Zahnbürsten

Während klassische Zahnbürsten mit Zahnpasta den Zahnbelag durch mechanischen Abrieb entfernen, machen sich Ionen-Zanhbürsten die chemische Reaktion zwischen positiv und negativ geladenen Ionen zunutze. Die Zahnbürste gibt (z.B. über einen integrierten Titanstab oder in den Borsten enthaltenes Silizium) negativ geladene Ionen ab, Diese ziehen die positiven Ionen aus der Säure des Plaquebelags auf den Zähnen an, wodurch der Zahnbelag zerstört wird und sich leicht entfernen lässt. Zahnpasta ist bei Verwendung dieser Zahnbürsten nicht nötig.

Inzwischen gibt es verschiedene Ionen-Zahnbürsten, darunter das Original von Soladey, die dieses Konzept in Japan zuerst auf den Markt gebracht haben, die Alpha-Ion Zahnbürste von miradent, aber auch manche elektrische Zahnbürsten setzen inzwischen den Ionen-Effekt ein, z.B. die Panasonic EW-DE92.

Selbstgemachte Zahnpasta
  • 10 g Schlämmkreide
  • 10 ml Wasser
  • 10 ml Glyzerin
  • 1 Messerspitze Xanthan

zu einem pastenartigen Brei vermischen. Luftdicht aufbewahren. (Alle Zutaten sind in der Apotheke oder im Internet erhältlich. Xanthan gibt es auch im Bioladen bei den Backzutaten.)

(Abgewandeltes Rezept von: http://www.mensch-und-zahn.de/40857/41260.html. Der Autor schlägt dort alternativ zu Schlämmkreide auch Heilerde als „scheuerintensivere Variante bei hartnäckigen Zahnbelägen“ vor. Hier ist Vorsicht geboten: Heilerde kann zum Abrieb des Zahnschmelzes führen. Deshalb Heilerde – genau wie vergleichbare Zahnpasten zur Aufhellung der Zähne – wenn, dann nur sehr sparsam und sporadisch einsetzen.)

Möglicherweise verträgliche Zahncremes

Salicylatfrei, aber NICHT sicher frei von problematischen Inhaltsstoffen sind folgende Zahncremes:

  • Lavera Neutral Zahngel mit Meersalz und Kieselsäure (potentiell problematisch ist das Carvonöl: ein Benzolring mit Minzgeschmack, welcher der Salicylsäure chemisch sehr ähnlich ist)

  • elmex mentholfrei (enthält ein nicht weiter bezeichnetes Aroma, das salicylathaltig sein kann, und „Limonene“: ein Duftstoff mit hohem Allergiepotenzial)

  • Chitodent 75 ml (enthält ebenfalls Carvonöl (s.o.) als Aromastoff, vgl. https://www.chitodent.de/pages/de/salicylatfreie-zahnpasta.php?lang=DE sowie den Farbstoff CI 42051″Patentblau“) (ACHTUNG: Chitodent 100 ml ist nicht salicylatfrei!)

Ausdrücklich NICHT empfehlen kann ich
  • Dr. Wolff Biorepair Zahncreme mild, mentholfrei (es enthält die Konservierungsstoffe „Benzyl Alcohol“ und „Sodium Benzoate“, bei denen Kreuzreaktionen zu Salicylaten auftreten können, sowie: PEG-32, ein Feuchthaltemittel, das als gesundheitlich bedenklich gilt, nicht weiter deklarierte Aromastoffe, „Limonene“ (s.o.) und „Eugenol“, einen intensiven Duftstoff)

Exkurs:

Bei der Recherche nach Zahnpasta-Rezepten zum Selbermachen bin ich auf zwei interessante Artikel gestoßen, die sich damit beschäftigen, warum es auch für Menschen ohne Unverträglichkeiten keine gute Idee ist, industriell gefertigte Zahnpasta zu benutzen: einmal aus medizinischer bzw. zahnärztlicher Sicht und einmal aus Umweltschutzgründen.

(Beitrag zuletzt aktualisiert am 01.01.2019)

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24 Kommentare

  1. Hallo!
    Kann man für die selbstgemachte Zahnpasta auch Xylith verwenden?
    Hat jemand Erfahrung damit ob das bei ASS und/oder Histaminintoleranz gut vertragen wird?

    lg Ruth

    1. Hallo Christian,
      sieht ganz gut aus, finde ich.

      • – Es enthält Fenchelöl, aber Fenchel ist laut Malakar und Kollegen salicylsäurearm.
        – Titandioxid (CI 77891) wird zum Weißmachen der Paste genutzt. Es ist inzwischen etwas in Verruf geraten, aber immer noch in sehr vielen anderen Zahnpasten (und auch Medikamenten) enthalten, so dass man dem Stoff, sofern man Zahnpasta benutzt, kaum aus dem Weg gehen kann.
        – (Dipotassium) Glycyrrhizate (ein Feuchthaltemittel) ist ein Süßholzwurzel-Wirkstoff, zu dem ich keine Angaben zum Salicylatgehalt habe.
    2. Falls du die Zahnpaste ausprobierst, berichte doch über deine Erfahrungen – Danke!
      und viele Grüße
      Sylke

      1. Liebe Sylke,
        Bis dato habe ich diese Zahnpasta sehr gut vertragen ( nutze diese seit ca. 1,5 Jahren )
        Der Versuch hat sich meines Erachtens gelohnt.
        Gruß Christian

        1. Hallo Christian,
          Danke für deine Rückmeldung! Sie hat sich mit meinen Updates (s.u.) überschnitten … Welche Chitodent nutzt du: die „salicylatfreie“ in der 75ml-Tube, nehme ich an!?
          Viele Grüße!
          Sylke

      2. Korrektur: die Chitodent-Zahnpaste gibt es in einer 100 ml- und einer 75ml-Tube mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen (https://www.chitodent.de/pages/de/chitodent.php?lang=DE ). Mein erster Kommentar bezieht sich auf die Chitodent in der 100ml-Tube, die laut Herstellerangabe NICHT salicylsäurefrei ist.

        Die Chitodent in der 75ml-Tube ist laut Herstellerangabe salicylatfrei, enthält aber mit Carvonöl einen Inhaltsstoff, der mit der Salicylsäure eng verwandt ist, sowie den Farbstoff „Patentblau“.

        Ob eventuelle Kreuzreaktionen oder Reaktionen auf den Farbstoff bestehen, müsste man individuell austesten. (Alan schreibt z.B. unten, dass er die Chitodent nicht verträgt.)

        Alternativen habe ich oben im Beitrag heute aktualisiert.
        Viele Grüße
        Sylke

  2. Eventuell ist auch das Neutral Zahngel mit Meersalz/ Kieselsäure von Lavera geeignet. Es enthält Wasser, Sorbitol, Siliciummineralien, pflanzliches Glycerin, Xylit, Meersalz, Kokostenside, Xanthan, Chlorophyll und Carvonöl.

    Zu Carvonöl sagt die Wikipedia: „Wie alle chiralen Duftstoffe weist auch Carvon unterschiedliche Geruchstypen seiner Enantiomere auf. Das (S)-(+)-Carvon weist einen Kümmelgeruch auf, sein Spiegelbild (R)-(−)-Carvon riecht nach Krauseminze. Carvon wirkt keimhemmend.“

    Ob dieser Duftstoff Symptome bei Salicylat-Unverträglichkeit auslöst, wäre zu testen nutzt jemand dieses Zahngel und kann berichten? Danke!

  3. Hallo zusammen, mein Sohn (26) hat gerade sein 3. Polyposisrezidiv. Zur Pflege der Nasenschleimhaut bekam er stets eine Nasensalbe mit Thymianöl. Da jetzt (nachdem er auch eine Entzündung der Darmschleimhaut, Urtikaria und eine Episode längeren Hustens (mit Foster-Spray)) die Blutuntersuchung, die belegen soll, ob es sich um die Samter Trias handelt, aussteht, wüsste ich gern, was postoperativ und überhaupt von dieser Nasensalbe zu halten ist.
    Danke schon jetzt,
    Undine

    1. Hallo Undine,

      wie Nasensalben mit Thymianöl insgesamt zur Pflege der Nasenschleimhaut zu beurteilen ist, kann ich dir nicht sagen. Thymian enthält aber sehr viel Salicylate. Bei einer diagnostizierten Sali-UV würde ich persönlich mich nach einer anderen Nasenpflegesalbe umschauen.

      Was wird denn bei deinem Sohn für eine Blutuntersuchung gemacht? Der FET-Test?

      Alles Gute für deinen Sohn
      und viele Grüße!
      Sylke

  4. Hallo liebe LeidensgenossInnen, mittlerweile benutze ich für alle möglichen Sachen Natron, z.B. auch zum Zähneputzen. Hat den Charme, dass es auch noch die Magensäure im Mund neutralisiert 😉
    Liebe Grüße Iris

  5. Ich habe von der Firma Luvos folgende Auskunft zur Heilerde in Bezug auf das Zähneputzen bekommen:

    „Die Luvos Heilerde Produkte, unabhängig vom Feinheitsgrad, sind nicht für die Zahnpflege oder -reinigung geeignet. Der hohe abrasive Verschleiß führt zu einer Schädigung des Zahnschmelzes.“

    1. Lieber Alan,
      Danke für deinen Hinweis! Man sollte Heilerde, wegen des Abriebs, auf jedenfalls mir corsicht und nur ab und an einsetzen (oder auch weglassen, wenn man sehr empfindlichen Zahnschmelz hat). Ich denke, es ist vergleichbar mit Zahnpasten zur Aufhellung der Zähne: die sollte man ja, wenn überhaupt, nur sparsam verwenden. Ich werde einen entsprechenden Hinweis in den Text aufnehmen!
      Was benutzt du?
      Viele Grüße
      Sylke

  6. Vielen Dank für deine tollen Tipps. Ich versuche es mal mit Heilerde. Man sollte aber sehr sehr feine nehme, damit man den Zahnschmelz nicht beschädigt.

    Chitodent Zahnpasta vertrage ich z.B. nicht und Elmex enthält Fluor.

  7. Vielleicht wäre diese Zahnpasta eine Alternative. Diese wurde auf den Gehalt an Salicylat geprüft: „elmex – homöopathieverträglicher Kariesschutz, mentholfrei mit Aminfluorid
    Inhalt: Aqua, Sorbitol, Hydrated Silica, Hydroxyethylcellulose, Olaflur, Aroma, Saccharin, Limonene, CI 77891

    Händler: http://www.pharmeo.de | Kaufdatum: 20.06.2016 | Prüfquelle: CDS“

    (gefunden auf der Seite „Salfreeproducts“)

    Durch die Testung kann man doch eigentlich davon ausgehen, dass trotz Aroma nichts enthalten ist. Das wäre so toll. Meine Zähne sind nämlich leider empfibdlicher geworden, seit ich Salz, Natron oder Schlammkreide nutze. LG

  8. Hallo Sylke,
    zum Selbermachen meiner Kosmetika bin ich noch nicht gekommen, das würde ich jedoch auf jeden Fall in der Zukunft gerne mal ausprobieren. Vor allem für manche längere Auslandsaufenthalte, wo es schwierig ist, die bei mir bewährten Körperpflegeprodukte zu finden!

    Im Moment fahre ich z.B. sehr gut mit dem Zahngel neutral von Lavera – meines Wissens absolut Sali-frei.

    Außerdem benutze ich die meisten Produkte der Ultra Sensitive Linie von DM (Shampo, Körperlotion, Nacht- und Tagescreme) sowie die Kernseife von Sonett- aber das sollte ich nun wohl besser in deinem anderen Post über Kosmetik schreiben… Geholfen haben auf jeden Fall u.a. folgende Links:
    https://salfreeproducts.wordpress.com/
    http://www.fibromyalgie-guaifenesin.info/de/salsearch/
    http://www.guaifenesin.de/salicylatfreie-pflegemittel.html

    Schönen Gruß, Johannes

    1. Hallo Johannes,

      Danke für deine Tipps!

      Und wenn du eigene Rezepte entwickelst, schreibst du uns die auch auf, ja?

      Viele Grüße
      Sylke

      PS: Zwei Pflanzenöle sind enthalten im Lavera-Produkt: Carvonöl und Calendulaöl – und damit auch zwei wahrscheinliche Quellen für Salicylate. Vor allem das Carvonöl mit seinem Benzolring und charakteristischem Geruch nach Minze erscheint mir ein sehr verdächtiger Kandidat …

  9. Was in einem „Aroma“ enthalten ist bzw. welcher Stoff als Aroma verwendet wird, muss vom Hersteller nicht deklariert werden. Viele Aromen sind salicylsäurehaltig. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, also besser die Finger davon lassen, ja.

    Viele Grüße
    Sylke