Frau am Strand

Salicylatfreie Sonnencreme?

Gibt es eine salicylatfreie Sonnencreme, die auch frei von sonstigen für salicylat-intolerante Menschen problematischen Stoffen ist? Die Antwort ist so kurz wie unerfreulich: Nein.

Zwar gibt es eine Reihe von salicylatfreien Sonnencremes, aufgelistet zum Beispiel auf der Seite https://www.guaifenesintherapie.de/listen-uber-salicylatfreie-kometikprodukte/. Doch diese Sonnenschutzcremes können Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe enthalten, auf die Menschen mit Salicylat-Intoleranz ebenfalls häufig mit Unverträglichkeits-Symptomen reagieren. Speziell Benzoate oder deren Derivate sind in praktisch jeder herkömmlichen Sonnencreme enthalten. Da Benzoate chemisch eng verwandt mit der Salicylsäure sind, besteht die Möglichkeit einer Kreuzreaktion. Die gute Nachricht ist: Man kann Sonnencreme auch selbst herstellen.

Aber wann und warum überhaupt Sonnencreme?

Schutz vor zu viel UVA- und UVB-Strahlung

Aufbau der Haut
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Sonnecreme soll uns vor übermäßiger Sonnenstrahlung schützen, genauer: vor zu viel UVA- und UVB-Strahlung.

Die relativ langwellige UVA-Strahlung (Wellenlänge 380–315 nm) dringt in tiefere Hautschichten ein: bis zur sogenannten Lederhaut. Sie lässt die Haut, im Übermaß genossen, vorzeitig altern und erhöht das Hautkrebsrisiko vor allem für Melanome. UVA-Strahlung verursacht jedoch kaum Sonnenbrand.

Die kurzwelligere UVB-Strahlung (315–280 nm) dringt nur bis in die Oberhaut ein und bewirkt dort, um 72 Stunden zeitverzögert, die Bildung des Farbstoffes Melanin, der eine langfristige Bräunung der Haut mit natürlichem Lichtschutz bewirkt. Bei zu starker oder langer UVB-Einstrahlung entsteht Sonnenbrand. UVB-Strahlung bewirkt außerdem die Bildung von Vitamin D3 in der Haut, das zur ausreichenden Versorgung des Menschen mit Vitamin D3 wesentlich beiträgt.

Schutz versus Vitamin D

Laut DGE werden im Durchschnitt in der deutschen Bevölkerung nur etwa 1 bis 2 µg Vitamin D pro Tag mit den üblichen Lebensmitteln aufgenommen. Für die gewünschte Versorgung werden 20 µg/Tag benötigt, die entweder über die Haut produziert oder supplementiert werden müssen. Ein effektiver Schutz vor UVB-Strahlung vermindert die Bildung von Vitamin D3 in der Haut. UVB-Strahlung erhöht jedoch auch das Hautkrebsrisiko vor allem für Basalzell- und Plattenepithelkarzinome.

Es geht beim Sonnenschutz also auch um eine Abwägung zwischen Nutzen und Risiko. Je nach Hauttyp wird mehr oder weniger Sonneneinstrahlung vertragen. Durch eine langsame Steigerung der Strahlendauer und -stärke kann diese Verträglichkeit in begrenztem Umfang erhöht werden. Wird die individuelle Verträglichkeit überschritten, ist ein Sonnenschutz sinnvoll. Dieser Schutz kann entweder mechanisch oder chemisch erfolgen.

Chemische Sonnenfilter

Sonnencremes nutzen häufig (organische) chemische Sonnenfilter wie Octinoxat, Benzophenone-3 oder Octocrylene. Solche chemischen Filter absorbieren das Sonnenlicht. Sie werden jedoch auch vom Körper aufgenommen, können dann in erhöhtem Maße in Urin, Blut und Muttermilch nachgewiesen werden und stehen teilweise in Verdacht, unerwünschte hormonelle Wirkung zu entfalten bzw. als endokrine Disruptoren zu fungieren oder Krebs zu erzeugen.

Mechanische Sonnenfilter

Zunehmend werden in Sonnencremes auch inorganische Stoffe als mechanische Sonnenfilter eingesetzt, allen voran Zinkoxid und Titandioxid. Während einige Publikationen Zinkoxid als vor allem wirksam gegen UVA-Strahlung bezeichnen, wird Zinkoxid in anderen Artikeln eine Breitbandwirkung sowohl gegen UVA- als auch UVB-Strahlung zugesprochen. Titandioxid schützt besser gegen UVB- als gegen UVA-Strahlung (s. Quellen oben).

Mechanische Filter in Sonnencremes wirken, indem sie das Licht streuen und reflektieren. Dadurch werden Sonnencremes mit diesen Stoffen vom menschlichen Auge oft als weißer Film wahrgenommen. Dem kann man entgegen wirken, indem man sehr kleine Partikel dieser Stoffe einsetzt, sogenannte Nanopartikel (≤ 100 Nanometer oder 100 Milliardstel Meter). Dann jedoch werden auch diese Teilchen vom Körper aufgenommen und stehen in Verdacht, dort neurotoxische Wirkung zu entfalten, also unser Nervensystem zu schädigen.

Benzoate

Egal ob kommerzielle Sonnencremes mit inorganischen oder organischen Filtern arbeiten, alle setzen in aller Regel Benzoate oder deren Derivate als Inhaltsstoff ein. Diese Stoffe können in Kosmetika gleich mehrere Funktionen erfüllen. So dient beispielsweise Akylbenzoat, das in sehr vielen Sonnencremes enthalten ist, als UVA-Filter, Duftstoff, Haut-Konditionierungsmittel, Konservierungsmittel und/oder Lösungsmittel.

Da Kreuzreaktionen zwischen Salicylaten und Benzoaten möglich sind, sind Sonnencremes, die Benzoate enthalten, für Menschen mit Salicylat-Intoleranz jedoch nicht unbedenklich.

Sonnencreme selbst herstellen

Sonnencreme selbst herzustellen ist eine Möglichkeit, um unerwünschte Inhaltsstoffe zu vermeiden. Eine salicylatarme Variante des Rezepts für Sonnencreme auf der Website „Smarticular“ besteht aus folgenden Zutaten:

  • reine Sheabutter (erhältlich in Online-Shops) und
  • Reiskeimöl (Apotheke, Online-Apotheke) als Basiscreme

die man, je nach gewünschter Konsistenz, z.B. im Verhältnis 3:1 mischen kann (Beispiel: 75 g Sheabutter plus 25 g Reiskeimöl).

  • Zinkoxid (ohne Nanopartikel, Online-Shops) als Lichtschutzfaktor

Der Lichtschutzfaktor der selbstgemachten Sonnencreme hängt im Wesentlichen von der Menge des Zinkoxids ab und beträgt pro 1% Zink in der Mischung etwa den Lichtschutzzfaktor 2.

Beispiel: Wenn du zu 45g Sheabutter-Reiskeimöl-Mischung 5g Zinkoxid hinzufügst, enthält die Gesamtmischung 10% Zinkoxid und hat einen Lichtschutzfaktor von ca. 20.

Mehr als 25% Zinkoxid sollte die Creme nicht enthalten (=zulässige Höchstmenge in kommerziellen Produkten). Wahrscheinlich lässt sich sich aber schon ab einer Menge von 15% Zinkoxid die Sonnencreme nur noch schwer auf der Haut verteilen.

Zunächst das Zinkoxid vorsichtig in das Reiskeimöl einrühren, bis das Pulver nicht mehr staubt. Dabei auch darauf achten, dass das Pulver nicht eingeatmet wird. Dann mit einem Mixstab Sheabutter, Resikeimöl und Zinkoxid auf hoher Stufe für etwa 1 Minute vermixen, damit das Zinkoxid sich gleichmäßig in der Creme verteilt. Die fertige Creme kann man zum Beispiel in einem kleinen Schraubglas im Kühlschrank aufbewahren.

Tipp:

Vor dem Eincremen die Creme mit ein paar Tropfen Wasser in der Hand verreiben. So entsteht eine Emulsion, die schneller in die Haut einzieht.

Titandioxid ja oder nein?

Oft wird in Rezepten für Sonnencreme empfohlen, Zinkoxid und Titandioxid zu mischen. Manchmal wird dies mit dem besseren UVB-Schutz von Titandioxid begründet, den ich allerdings nirgends belegt finden konnte. Wahrscheinlicher ist, dass Titandioxid weniger „Weißfilm“ produziert, weil die Partikelgröße natürlicherweise kleiner ist. Da liegt jedoch auch ein potentielles Problem: Bei meiner Recherche konnte ich keine Titandioxid-Produkte ohne Nanopartikel finden und empfehle Titandioxid vor dem Hintergrund der oben erwähnten möglichen Nebenwirkungen deshalb nicht.

Sonnenschutz ohne Sonnencreme

Um die Haut zu Beginn des Sommers an die Sonne zu gewöhnen, sollte man zunächst nur kurz in die Sonne gehen. Je nach Empfindlichkeit der Haut, kann man diese Zeiten langsam und in begrenztem Umfang steigern. So hat die Haut Gelegenheit zur Entwicklung eines natürlichen Lichtschutzfaktors durch die Bräunung und zur Produktion von Vitamin D.

Überschreitet die Sonneneinstrahlung das verträgliche Maß, bieten Schatten und schützende Kleidung eine Alternative zur Sonnencreme. So lässt sich der Einsatz von Sonnencremes auf das Nötige begrenzen.

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