Vom Umgang mit gut gemeinten Ratschlägen

guter-ratWenn das Gespräch darauf kommt, dass ich eine Salicylsäure-Unverträglichkeit habe und viele Dinge deshalb nicht essen kann, dann bekomme ich oft gut gemeinte Ratschläge. Die sind manchmal interessant, oft aber auch weniger 😉 Wie geht man damit am besten um? Darum geht es in diesem Beitrag.

Die Reaktionen auf meine Salicylsäure-Unverträglichkeit fallen meist in eine von zwei Kategorien. Die eine Reaktion ist:

„Das kann doch nicht gesund sein“

Das Argument ist, dass eine Ernährung, die fast alles Obst und viele Gemüsesorten ausschließt, nicht gesund sein kann. Ich solle doch nicht so streng (lies: verbohrt) sein und lieber mehr Obst und Gemüse essen. Darauf kann man mit Sachargumenten reagieren wie:

  • auch eine salicylsäurearme Diät bietet soviel Abwechslung, dass eine gesunde Ernährung mit allen nötigen Nährstoffen sehr wohl möglich ist
  • salicylsäurearm heisst auch: weitgehend ohne Konservierungsstoffe, Farbstoffe, etc. und ist deshalb oft sogar gesünder, als manche „normale“ Kost
  • Essen, das mich krank macht, ist nicht „gesund“ für mich (ein Mensch mit Zöliakie isst ja auch kein „gesundes“ Roggenbrot)

Meine Erfahrung ist aber, dass diese Erklärungen bei meinem Gegenüber in aller Regel nicht ankommen. Die Überzeugung, dass Obst und Gemüse per se gesund sind, ist bei vielen so tief verankert, dass jede Ernährung, die deren Verzehr einschränkt, als „ungesund“ wahrgenommen wird – da helfen auch keine Argumente. Wie geht man also mit solchen Reaktionen und Ratschlägen um?

Ich habe mich am Anfang oft geärgert und versucht, dagegen anzuargumentieren. Das führt aber in der Regel nur zu Missstimmungen, weil beide Seiten sich unverstanden fühlen. Inzwischen nenne ich die Argumente, die für eine salicylsäurearme Diät sprechen. Wenn ich aber merke, dass sie bei meinem Gegenüber nicht ankommen, dann nehme ich das so hin und stelle bei gut gemeinten Ratschlägen zu Obst, Gemüse und „gesunder“ Ernährung „auf Durchzug“. So muss ich micht nicht ärgern und auch nicht streiten.

„Probier doch mal …“

Gute Ratschläge der zweiten Kategorie sind von der Art „Probier doch mal XY aus: das hat bei mir / meinem Nachbarn / meinem Pferd super geholfen!“ „XY“ kann alles sein von hömöopathischen Tropfen über traditionelle chinesische Medizin, Vitamin B12, P-5-P, Propolis, Magnesium und Bioresonanz bis zu Fischölkapseln, Leinöl, Paprika, Chilipulver und autogenem Training.

Das Problem bei diesen Ratschlägen liegt darin, die guten von den schlechten zu unterscheiden. Viele der genannten Beispielen habe ich selbst ausprobiert. Die Auswirkungen reichen von deutlichem Unwohlsein (einige Akupunktursitzungen) oder mildem bis heftigem Asthmaanfall mit Verschlechterung der Symptome für Tage bis Wochen (Papkrikapulver, Fischölkapseln) über nicht kurzfristig spürbare Verbesserungen oder Verschlechterung (Leinöl, P-5-P) bis zu deutlichen Besserungen der Symptome (Magnesium, Qi Gong, Autogenes Training).

Bei Rückschlägen kann es Tage, unter Umständen auch einige Wochen, dauern, bis ich wieder ohne Medikamente symptomfrei bin. In dieser Zeit stellen sich dann gerne auch wieder Müdigkeit, Verstimmungen oder kortisonbedingte Infekte etc. ein. Aufgegeben habe das Ausprobieren von „guten Ratschlägen“ deshalb nicht. Denn immer mal wieder finde ich auf diese Weise Sachen, die mir wirklich helfen (Chilipulver zum Beispiel ist noch in der Testphase). Aber ich bin ich mit der Zeit vorsichtiger damit geworden, neue Ideen und gute Ratschläge auszuprobieren und mache das nur, wenn es mir für mich vielversprechend erscheint, zu einem Zeitpunkt, der für mich passt.

Bekommt ich auch solche „guten Ratschläge“? Wie geht ihr damit um? Ich freue mich, wenn ihr eure Erfahrungen hier teilt.

3 Gedanken zu „Vom Umgang mit gut gemeinten Ratschlägen

  1. Tolle Ratschläge habe ich noch nicht erhalten, aber mein Mann meinte zu mir, dass ich doch Weihnachten ganz normal essen soll, dann ist der Kopf halt zugeschwollen, aber das geht auch wieder weg und gegen das Asthma gibt es das Spray, ging ja vorher auch.

    Ähm ja, bei dem ist wohl was ausgehakt, denn im Normalfall achtet er mehr auf meine Gesundheit als ich. Im Moment mit der Ernährungsumstellung geht es mir ganz gut ohne Medikamente. Nur die vorhandenen Polypen müssten noch etwas verkleinert werden (dafür bin ich ab Donnerstag bei meiner Heilpraktikerin und wir versuchen eine Combi aus Schüsslersalzen und einem angemischtem Nasenspray).
    Auch wenn meine Bestellungen im Restaurant etwas komplizierter werden, so sehe ich nicht ein für irgendjemanden Fünfe gerade sein zu lassen und dann Tage, wenn nicht Wochenlang Schmerzen zu haben.

    Es ist ja schön, dass die Rezepte hier auch alle alltagstauglich sind und ich alles auch für die Familie mit kochen kann. Und ich bin dankbar, dass ich nicht auf Amine achten muss, so dass auch Geräuchertes auf meinem Tisch landen darf 🙂 ;Leider hat ein Selbstversuch mit 0,4l Bier bei mir zugeschwollene Nebenhöhle und Fließschnupfen nach 45 Minuten mit leichtem Asthma ergeben. Ich werd wohl auf Dauer gesund und nüchtern leben *seufz*

    LG

    Nicole

  2. Hallo Nicole,

    Bier geht bei mir auch nicht. Dafür vertrage ich Single Malt Whisky ganz gut 🙂 Gute Erfahrungen habe ich z.B. mit Glenlivet und Glenmorangie gemacht. Den Singleton of Dufftown kann ich auch sehr empfehlen. Nicht gut bekommen mir sehr rauchige oder phenolhaltige Sorten wie z.B. Laphroaig.

    Kannst es ja mal ausprobieren, wenn du magst – und hier berichten, wie es dir damit ergangen ist.

    Viele Grüße
    Sylke

  3. Eine wirklich gute Information über Samter, den ich schon seit 40 zig Jahren habe, die Wissenschaft erst viel später dazu kam, ihn zu entdecken und so ein eigenes Erfahren mit allen Widrigkeiten des Samter Daseins bekannt sind. Freue mich sehr, diese Seite entdeckt zu haben und in Zukunft eine Austausch und Reflektionsebene mehr besteht. Ein großes Lob und Danke an Sylke.

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