Covid-19-Impfung bei ASS-Intoleranz? (aktualisiert am 4.4.21)

Update: 04.04.2021Änderungen sind im Text in blau markiert

Je mehr Covid-19-Impfstoff zur Verfügung steht, desto aktueller wird die Frage, ob man sich gegen das SARS-CoV-2 Virus impfen lassen sollte – auch als Mensch mit ASS-/Salicylat-Intoleranz. Am Ende muss jede_r für sich diese Entscheidung abwägen und treffen. Um das informiert tun zu können, habe ich in diesem Beitrag die aktuellen Informationen zum Thema Coronaimpfung und Salicylat-Intoleranz zusammen getragen.

Zugelassene Impfstoffe

Zum Zeitpunkt der letzten Aktualisierung dieses Beitrags gibt es in Europa vier zugelassene Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2 Virus:

UnternehmenImpfstoffImpfstofftypZulassung in der EU
BioNTech / PfizerBNT162b2 (Comirnaty, Tozinamiran)mRNA-basierter Impfstoff21.12.2020
Moderna (USA)mRNA-1273mRNA-basierter Impfstoff06.01.2021
AstraZeneca Life ScienceChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222)Vektor-Impfstoff29.01.2021
Johnson & Johnson (Mutterkonzern des forschenden belgischen Pharmaunternehmens Janssen)Janssen COVID-19 Vaccine (Ad26.COV2.S, JNJ-78436735)Vektor-Impfstoff11.03.2021 (rechtzeitige Lieferung vorausgesetzt, soll der Impfstoff ab Mitte April in Deutschland verimpft werden)

mRNA- und Vektor-Impfstoffe

mRNA-Impfstoffe benötigen nicht, wie andere Impfstoffe, Krankheitserreger oder deren Bestandteile für eine Immunisierung. Vielmehr wird durch mRNA (messenger-RNA bzw. Boten-RNA) die genetische Bauanleitung zur Herstellung eines bestimmten Eiweißmoleküls in die Muskelzellen geschleust. Dieses Antigen ist typisch für das SARS-CoV-2 Virus. Die Muskelzellen vervielfältigen das virus-typische Eiweiß. Das  wiederum löst die Bildung von Antikörpern durch das Immunsystem aus. Damit ist für den Immunschutz gesorgt. Es besteht kein Risiko, an COVID-19 zu erkranken, da sich der Bauplan nur auf einzelne Virus-Proteine bezieht und nicht auf das ganze Virus.

Dagegen werden bei Vektor-Impfstoffen fremde Viren so verändert, dass sie typische Bausteine von SARS-CoV-2 enthalten und deshalb passende Antikörper gebildet werden. „Träger- oder Vektorviren“ des AstraZeneca-Impfstoffes sind veränderte Adenoviren, die bei Schimpansen Erkältungen auslösen, aber für Menschen harmlos sind. Trägerviren des Johnson & Johnson-Impfstoffes sind menschliche Schnupfenviren (ebenfalls ein Adenovirus). Beide Impfviren können sich im menschlichen Körper nicht vermehren. Mit dem Impfvirus gelangt ein SARS-CoV-2-Gen in Muskelzellen, die das Gen – wie bei mRNA-Viren auch – zur Herstellung des virustypischen Spikeproteins verwenden. Das Immunsystem erkennt daraufhin das Spikeprotein als fremd und bildet Antikörper und T-Zellen dagegen, die im Idealfall vor einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 schützen.

Wirksamkeit

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel) bzw. die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), gibt die Wirksamkeit der drei genannten Impfstoffe wie folgt an:

ImpfstoffWirksamkeit
BioNTech / Pfizer95% wirksam gegen COVID-19-Erkrankung
(Zum Zeitpunkt der Zulassung errechnet: von 170 SARS-CoV-2-positiv getesteten COVID-19-Fällen, waren 8 in der Impfstoff-Gruppe, 162 in der Placebogruppe. Bei den Geimpften lag die zweite Impfung mindestens 7 Tage zurück.)
Moderna94% wirksam gegen COVID-19-Erkrankung.
(Zum Zeitpunkt der Zulassung errechnet: von 196 SARS-CoV-2-positiv getesteten COVID-19-Fällen waren 11 in der Impfstoff-Gruppe, 185 in der Placebogruppe. Bei den Geimpften lag die 2. impfung mindestens 14 Tage zurück.)
AstraZeneca Life ScienceWirksamkeit gegen COVID-19-Erkrankung: 60% (Europäische Arzneimittelagentur EMA) bzw. 70% (Ständige Impfkommission des RKI);
Es wird außerdem eine Schutzwirkung bzgl. der Schwere der Erkrankung angenommen, da 8 von 154 COVID-19-Erkrankten in der Kontrollgruppe hospitalisiert wurden, während bei den Geimpften 0 von 64 COVID-19-Erkrankten hospitalisiert wurden. 
Johnson & JohnsonWirksamkeit gegen COVID-19-Erkrankung: 67% (Europäische Arzneimittelagentur EMA). Der Schutz beginnt etwa 2 Wochen nach der (nur einmal nötigen) Impfung. Gesundheitsinformation.de* gibt außerdem eine Schutzwirkung bzgl. der Schwere der Erkrankung an, da 18 von 10.000 Personen in der Kontrollgruppe schwer an Covid-19 erkrankten und insgesamt 7 Personen in der Kontrollgruppe verstarben, während bei den mit diesem Impfstoff Geimpften 3 von 10.000 Personen schwer an COVID-19 erkrankten und keiner verstarb.

*(eine durch die gesetzlichen Krankenkassen finanzierte Informationswebsite zur gesundheitlichen Aufklärung der deutschen Bevölkerung)

Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Dazu schreibt das RKI: „Wie bei jeder Impfung, können auch nach der COVID-19-Impfung Impfreaktionen und Nebenwirkungen auftreten. Impfreaktionen treten in der Regel kurz nach der Impfung auf und halten wenige Tage an. […] Die häufigsten Reaktionen sind:

Biontech/Pfizer (B/P)Placebo-gruppe B/PModerna (M)Placebo-gruppe MAstraZeneca (AZ)Placebo-gruppe AZJohnson & Johnson (J&J)Placebogruppe J&J
Schmerzen an der Einstichstelle83%14%88%17%54,2%36,7%49%17%
Spannungsgefühl63,7%39,5%
Abgeschlagenheit47%23%65%33%53,1%38,2%38%22%
Kopfschmerzen42%23%59%34%52,6%39,0%39%24%
Krankheitsgefühl44,2%20,2%
Fieber nach 1. Impfdosis4%1%0,8%0,3%
Fieber nach 2. Impfdosis16%0%15,5%0,3%
Erhöhte Temperatur33,6%10,7%
Fieber7,9%1,2%
Reaktionen nach 1. Impfung häufiger als nach 2. Impfung

In den Zulassungsstudien beider mRNA-Impfstoffe wurden wenige vorübergehende Fazialisparesen (Gesichtslähmungen) beobachtet, bei denen ein Zusammenhang mit der COVID-19-Impfung nicht ausgeschlossen werden konnte.

Schwere Nebenwirkungen und Sicherheit

AstraZeneca

Zu möglichen schweren Nebenwirkungen schreibt das RKI:

Nach der Impfung mit der Vaxzevria (AstraZeneca) sind seltene Fälle von Thrombosen in Kombination mit Thrombopenien bei Geimpften aufgetreten. Aufgefallen sind vor allem Hirnvenenthrombosen (sogenannte Sinusvenenthrombosen; SVT), aber auch andere thrombotische Ereignisse, wie Mesenterialvenenthrombosen und Lungenembolien sind berichtet worden. Einzelne Fälle waren auch kombiniert mit erhöhter Gerinnungsaktivität oder auch Blutungen im ganzen Körper. Die Symptome traten 4 bis 16 Tage nach der Impfung auf. Bisher wurden diese schweren und teilweise tödlich verlaufenden Nebenwirkungen überwiegend bei Frauen im Alter ≤55 Jahren beobachtet, aber auch Männer und Ältere waren betroffen.

Fragen zur COVID-19-Impfempfehlung: Wirksamkeit und Sicherheit (Stand 1.4.2021)

Das RKI empfiehlt deshalb, den Impfstoff von AstraZeneca nur bei Personen zu verwenden, die 60 Jahr und älter sind. Wurde eine Person unter 60 Jahren bereits mit AstraZeneca geimpft, soll die zweite Impfdosis nach 12 Wochen mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen.

Nach Aufklärung und Abwägung darf jedoch auch weiterhin eine Impfung von Personen unter 60 Jahren mit dem AstraZeneca-Impfstoff erfolgen: sowohl als Erst- wie auch als Zweitimpfung.

Im Aufklärungsbogen des RKI zu den beiden Vektor-Impfstoffen wird empfohlen, sich unverzüglich in ärztliche Behandlung zu begeben, wenn einige Tage nach der Impfung Atemnot, Brustschmerzen, Beinschwellungen oder anhaltenden Bauchschmerzen, starke oder anhaltende Kopfschmerzen oder Sehstörungen auftreten oder wenn bei einige Tage nach der Impfung Blutergüsse oder punktförmige Hautblutungen außerhalb der Einstichstelle auftreten.

Eine erste Studie zu Ablauf, Diagnose und Behandlung der thromobotischen Vorfälle nach einer COVID-19-Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff ist in einer Vorabveröffentlichung zu lesen auf https://www.researchsquare.com/article/rs-362354/v1.

Biontech/Pfizer

Zu Beginn der Verimpfung des Impfstoffes von Biontech/Pfizer in Großbritannien traten zwei schwerwiegende, wahrscheinlich allergische Unverträglichkeitsreaktionen auf (eine bei einem Patienten mit Nahrungsmittelallergie, eine bei bestehender Medikamentenallergie).

Die bisherigen Daten zum Biontech-Impfstoff aus den USA zeigen, dass die Häufigkeit anaphylaktischer oder anaphylaktoider Reaktionen höher ist, als auf sonstige Virusimpfungen. Sie beträgt circa 11 Fälle pro 1 Million Impfungen.

Bisher ist unklar, welche Komponente des Impfstoffs für die anaphylaktischen Reaktionen verantwortlich gewesen sein könnte. Beide mRNA-Impfstoffe enthalten keine Konservierungsstoffe, keinen die Impfreaktion verstärkenden Stoff (Adjuvans) und kein Hühnereiweiß. Der Stopfen der Durchstechflasche von Biontech/Pfizer enthält kein Naturgummi-Latex. Als möglicher Auslöser wird Polyethylenglykol (PEG) diskutiert. Es gilt als seltener Allergieauslöser. PEG ist auch in Kosmetika und Medikamenten enthalten.

Personen mit einer schweren unerwünschten Impfreaktion in der Vorgeschichte und/oder einer bekannten schweren allergischen Reaktion auf einen Inhaltsstoff der Impfstoffe waren von den Zulassungsstudien ausgeschlossen. Für diese Personengruppe liegen keine klinischen Daten zur Verträglichkeit und Sicherheit des Impfstoffs vor.

Johnson & Johnson

In seltenen Fällen (0,01 % bis 0,1 %) traten Überempfindlichkeitsreaktionen und Nesselsucht auf. Seit Einführung der Impfung wurden in sehr seltenen Fällen allergische Sofortreaktionen (anaphylaktische Reaktionen) berichtet. Diese traten kurz nach der Impfung auf und mussten ärztlich behandelt werden.

Inhaltsstoffe

Die Inhaltsstoffe der Impfstoffe sind:

ImpfstoffInhaltsstoffe
BioNTech / PfizermRNA, Lipide (((4-hydroxybutyl)azanediyl)bis(hexan-6,1-diyl)bis(2-hexyldecanoat), 2 [(Polyethylenglykol) [PEG, Macrogol] -2000]-N,N-ditetradecylacetamide, 1,2-Distearoyl-sn-glycero-3-Phosphocholin, und Cholesterin), Kaliumchlorid, einbasiges Kaliumphosphat, Natriumchlorid, zweibasisches Natriumphosphat-Dihydrat, Saccharose
Moderna (USA)mRNA, Lipide (SM-102. Polyethylenglykol [PEG, Macrogol] 2000 Dimyristoyl-Glycerin [DMG], Cholesterin, und 1,2-distearoyl-sn-glycero-3-phosphocholine [DSPC]), Tromethamin, Tromethamin-Hyrochlorid, Essigsäure, Natriumacetat, Saccharose
AstraZeneca Life ScienceWirkstoff: das veränderte Adenovirus (ChAdOx1)(GVO); Hilfsstoffe: L-Histidin, L-Histidinhydrochlorid-Monohydrat, Magnesiumchlorid-Hexahydrat, Polysorbat 80, Ethanol, Saccharose, Natriumchlorid, Dinatriumedetat-Dihydrat, Wasser
Johnson & JohnsonWirkstoff: Adenovirus Typ 26, der das SARS-CoV-2 Spike-Glykoprotein kodiert (enthält genetisch veränderte Organismen (GVO)); Weitere Inhaltsstoffe: 2-Hydroxypropyl-β-Cyclodextrin (HPBCD), Citronensäure-Monohydrat, Ethanol, Salzsäure, Polysorbat 80, Natriumchlorid, Natriumhydroxid, Trinatriumcitrat-Dihydrat, Wasser für Injektionszwecke

Keiner der genannten Inhaltsstoffe ist bei Salicylat-Intoleranz bekanntermaßen generell unverträglich (siehe dazu auch die Empfehlung von Tania Laidlaw für Samter-Trias-Betroffene unten.)

Impfung bei Samter-Trias, Intoleranzen, Allergien, vorheriger Anaphylaxie, Mastozytose

Grundsätzlich soll jede Person nach der Impfung mindestens 15 Minuten beobachtet werden. Die Impfzentren bzw. die mobilen Teams müssen immer mit einer Notfallausstattung zur Behandlung eventuell auftretender anaphylaktischer Reaktionen ausgestattet sein.

Darüber hinaus haben PEI und RKI am 29.03.2021 Ihre Empfehlungen zur Impfung mit mRNA-impfstoffen bei bekannten Allergien und/oder vorherigen anaphylaktischen Reaktionen in Zusammenarbeit mit den allergologischen Fachgesellschaften AEDA, DGAKI, NORA und DDG aktualisiert. Es werden vier Personengruppen berücksichtigt:

1. Personen mit bekannten Erkrankungen aus dem atopisch-allergischen Formenkreis

Nach den aktualisierten Empfehlungen besteht für Personen mit bekannten Erkrankungen aus dem atopisch-allergischen Formenkreis (kontrolliertes Asthma bronchiale, Neurodermitis und allergischer Schnupfen mit Bindehautentzündung (Rhinokonjunktivitis) einschließlich Heuschnupfen und Hausstaubmilbenallergie, Bienen-/Wespengift- sowie Nahrungsmittelallergien und Kontaktallergien z.B. gegen Duftstoffe oder Nickel) kein generell erhöhtes Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen bei Impfungen mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe, auch wenn im Rahmen dieser Erkrankungen bereits schwere allergische oder anaphylaktische Reaktionen aufgetreten sind.

2. Personen mit schweren IgE-vermittelten allergischen Reaktionen

Bei

  • schweren allergischen oder anaphylaktischen Reaktionen nach einer COVID-19-mRNA-Impfung
  • bekannter Überempfindlichkeit auf einen Inhaltsstoff in den mRNA-Impfstoffen
  • bekannter allergischer Reaktion auf PEG oder PEG-(Macrogol-)haltige Arzneimittel oder
  • Anaphylaxien oder schweren allergischen Reaktionen unklarer Ursache

sollen sich die Betroffenen persönlich in einem allergischen Zentrum vorstellen.

Wird dort eine IgE-vermittelte allergische Ursache der Reaktion bestätigt, besteht eine absolute Kontraindikation für die Impfung mit COVID-19-mRNA-Impfungen und es sollen geeignete Alternativ-Impfstoffe in Erwägung gezogen werden. Dabei sollen mögliche Kreuzreaktionen auf PEG z.B. durch Polysorbate berücksichtigt werden.

3. Personen mit schweren nicht IgE-vermittelten allergischen Reaktionen

Ergibt sich bei Personen mit denselben Rekationen wie unter Punkt 2. kein Anhalt für eine IgE-vermittelte Reaktion, kann nach strenger individueller Nutzen-/Risiko-Abwägung und unter erhöhter Notfallbereitschaft mit verlängerter Nachbeobachtung für 30 Minuten mit COVID-19-mRNA-Impfstoffen geimpft werden.

4. Personen mit anaphylaktischen oder schweren allergischen Reaktionen auf Medikamente oder andere Impfstoffe sowie Personen mit Mastozytose

Für diesen Personenkreis – zu dem auch Samter-Trias-Betroffene mit vorheriger anaphylaktoider Reaktion auf Acetylsalicylsäure oder NSAR zählen – wird bei einer Impfung mit COVID-mRNA-Impfstoffen eine erhöhte Notfallbereitschaft und verlängerte Nachbeobachtungszeit von 30 Minuten empfohlen. Diese Empfehlung entspricht auch der Empfehlungen von Tania Laidlaw spezifisch zu COVID-19-mRNA-Impfungen von Samter-Trias-Betroffenen.

Inernationale Empfehlungen zur COVID-Impfung von Samter-Trias-Betroffenen

Tania Laidlaw, die zahlreiche Studien zu AERD (Aspirin Exacerbated Respiratory Disease = Samter-Trias) veröffentlich hat, hat für die US-amerikanischen Kliniken Brigham and Women’s Hospital und die Scripps Clinic (beide mit einem Behandlungsschwerpunkt AERD/Samter-Trias) eine Stellungnahme zu den beiden auch in den USA zugelassenen Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna veröffentlicht. Nach ihrer Feststellung gibt es keinen Hinweis darauf, dass Menschen mit Samter-Trias / ASS-Intoleranz ein höheres Risiko für Nebenwirkungen auf den Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna haben. Laidlaw schließt sich in dieser Stellungnahme der Empfehlung des US Centers for Disease Control (CDC) an, dass

  • bei Jedem, der oder die bereits früher Anaphylaxien hatte, die Beobachtungszeit nach der Impfung 30 Minuten statt 15 Minuten betragen sollte

und ergänzt, dass darunter auch Menschen fallen können, die sehr schwere/systemische Reaktionen auf ASS/NSAR hatten. Sie fügt hinzu, dass Menschen mit Samter-Trias, die mit Biologika (Dupixent, Nucala, Xolair, Fasenra, Cinqair) behandelt werden, die Impfung ohne (diese) besondere Vorsichtsmaßnahme erhalten können sollten.

Empfehlungen für Personen mit Mastozytose / Mastzellerkrankungen

Die aktualisierte Empfehlung von RKI und PEI übernimmt im Wesentlichen die früheren Empfehlungen der Stellungnahme des Malteser Waldkrankenhauses St. Marien, Erlangen und des VAEM.eu zu „Coronaimpfung für Allergikerinnen und Allergiker“. Hier nennen Prof. Raithel und Dr. Palm als besondere Risikosituationen Impfungen

  • bei vorheriger Anaphylaxie
    • nach einer anderen früheren Impfung,
    • nach Medikamenten (zB. bei Mastozytose) oder
    • mit unklarem Auslöser

und empfehlen in diesen Fällen

  1. eine Nachbeobachtungszeit von 30 (statt 15) Minuten und
  2. Arzt und Adrenalin-Pen unmittelbar vor Ort

Raithel / Palm weisen über die Empfehlungen von RKI/PEI hinaus auf den Unterschied zwischen schnell (innerhalb von 15 Minuten) auftretenden allergischen/nicht-allergischen (pseudoallergischen) Reaktionen und einer möglichen sekundären Mastzellaktivierung durch die Immunaktivierung bei der Impfung hin, für die bei Personen mit Allergien und Mastzellerkrankungen ein erhöhtes Risiko besteht und raten – im Unterschied zu RKI/PEI:

Aus klinischer Sicht kann – wie sonst auch in Risikosituationen – neben einer ärztlichen Überwachung, z.B. eine individuelle Vorbehandlung von 2-3 Tage H1- und H2-Antihistaminika erfolgen, und sofern möglich mit Vitamin C (Aktivierung des Histaminabbaus). Diese Therapie sollte auch für 2-3 Tage nach der Impfung eingehalten werden. In besonders schweren Fällen einer angehenden Mastzellaktivierung ist evtl. eine ärztlich angeordnete vorübergehende Prednisolongabe nötig, um eine durch die Impfung eintretende Mastzellaktivierung zu dämpfen.

Das RKI dagegen rät, gestützt auf die Empfehlungen der allergologischen Fachgesellschaften AEDA, DGAKI, NORA und DDG, von einer antiallergischen Prämedikation ab, „da Symptome einer Impfreaktion zunächst unterdrückt und zeitverzögert außerhalb der Überwachungszeit auftreten könnten; im ungünstigsten Fall stehen dann die Behandlungsmöglichkeiten einer schwerwiegenden Reaktion nicht sofort zur Verfügung“.

Professor Molderings, Spezialist für Mastzellerkrankungen, empfiehlt bei vorliegenden Mastzellerkrankungen für Impfungen generell:

die Impfung etwa ein bis zwei Stunden nach der morgendlichen Einnahme der mastzellstabilisierenden Medikamente durchführen [zu] lassen. Dadurch kann das Risiko einer zu starken Mastzellaktivierung durch die Impfung reduziert werden.

Fazit

Die Änderungen in den Empfehlungen zur Impfung für Allergiker_innen vom 29.03.2021 haben Differenzierung zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten gebracht. Und dabei mehr Klarheit für einige dieser Gruppen geschaffen, Unsicherheit für andere.

  • Für Menschen mit Salicylat-Intoleranz sind die Empfehlungen gleich geblieben: Erwachsene bei denen es vor der Impfung anaphylaktische / anaphylaktoide oder schwere systemische Reaktionen auf einen anderen als die mRNA-Impfstoffe oder Medikamente gab – zum Beispiel auf ASS oder NSAR – sollten sich impfen lassen. Es wird nun auch offiziell empfohlen, in diesen Fällen unter erhöhter Notfallbereitschaft zu impfen und die Beobachtungszeit nach der Impfung auf 30 (statt 15) Minuten zu verlängern.
  • Betroffene aus dem atopisch-allergischen Formenkreis (die keiner weiteren der genannten Risikogruppen angehören) müssen keine übertriebene Sorge mehr haben vor anaphylaktischen Reaktionen auf (mRNA-)Impfstoffe.
  • Personen mit bekannten allergischen Reaktionen auf PEG oder ein PEG-/Makrogol-haltiges Arzneimittel wissen nun, dass sie bei Ihrer Entscheidung für alternative Impfstoffe auch auf mögliche Kreuzreaktionen auf PEG z.B. durch Polysorbate, achten müssen.

Für eine der gefährdetsten Gruppen von Betroffenen – diejenigen, die eine schwere allergische oder anaphylaktische Reaktion auf einen COVID-19-mRNA-Impfstoff, einen ihrer Inhaltsstoffe oder mit unbekannter Ursache hatten, bringt die Empfehlung dagegen einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor:

  • Nur bei (durch ein allergologisches Zentrum bestätigten) IgE-vermittelten Reaktionen wird empfohlen, auf weitere Imfpungen mit dem betreffenden Impfstoff zu verzichten.
  • Kommt ein Arzt in einem allergologischen Zentrum dagegen zu dem Schluss, die Reaktion sei nicht-IgE-vermittelt gewesen, widerspricht die Empfehlung, die das RKI/PEI in Zusammenarbeit mit den allergologischen Fachgesellschaften AEDA, DGAKI, NORA und DDG ausgearbeitet hat, den Kontraindikationen der Hersteller der COVID-19-mRNA-Impfstoffe. Denn in diesen Fällen wird eine Impfung mit COVID-19-mRNA-Impfstoffen auch nach vorherigen schweren allergischen oder anaphylaktischen/anaphylaktoiden Reaktionen unter strenger individueller Risiko/Nutzen-Abwägung und unter erhöhter Notfallbereitschaft und Nachbeobachtung für 30 (statt 15) Minuten in Erwägung gezogen.

Wie es zu dieser unterschiedlichen Einschätzung von IgE-vermittelten vs. nicht-IgE-vermittelten schweren allergischen, anaphylaktischen oder anaphylaktoiden Reaktionen im Widerspruch zu den durch die Hersteller genannten Kontraindikationen kommt, wird nicht erläutert.

Widersprüchlich sind auch die Empfehlungen bezüglich einer möglichen Vor- und Nachbehandlung mit Antihistaminika.

In den Empfehlungen des RKI wird generell von einer Vor- und Nachbehandlung mit Antihistaminika mit dem Hinweis auf eine mögliche Verzögerung allergischer Sofortreaktionen abgeraten.

Keine Berücksichtigung findet dagegen die Gruppe der Betroffenen, bei denen durch die Immunaktivierung bei der Impfung eine sekundäre Mastzellaktivierung auftreten könnte, wie dies zum Beispiel bei Menschen mit Mastzellerkrankungen der Fall sein könnte. (Nur) für diese Gruppe könnte nach abweichender Expertenmeinung individuell erwogen werden, ob eine Behandlung mit H1- und/oder H2-Antihistaminika sowie Vitamin C (zur Aktivierung des Histaminabbaus, sofern vertragen), 2 bis 3 Tage vor und nach der Impfung sinnvoll ist, um eine zu erwartende überschießende sekundäre Mastzellaktivierung abzufangen. In besonders schweren Fällen einer sekundären Mastzellaktivierung durch die Impfung könne, laut Expertenmeinung, auch die vorübergehende Gabe von Prednisolon hilfreich und nötig sein.

An den beiden Punkten

  • Kontraindikation bei nicht-IgE-vermittelten schweren allergischen oder anaphylaktoiden Reaktionen auf einen COVID-19-Impfstoff: Ja oder Nein? und
  • Maßnahmen bei einer möglichen bzw. zu erwartenden sekundären Mastzellaktivierung durch die Impfantwort

besteht meiner Meinung nach dringender Klärungs- /Nachbesserungsbedarf.

Quellenangaben:

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2 Kommentare

  1. guten Tag miteinander..
    Soll ich oder soll ich nicht impfen ?
    Ich habe die Impfungen mit 69 hinter mir,
    ich hatte nur einwenig Schmerzen bei der Einstichstelle, sonst absolut keine Nebenwirkungen ! Ich habe mich mit dem mRNA Impfstoff von Moderna impfen lassen, BioNtech/Pfizer ist fast identisch, die Wirkungsangaben sind ca. 94% bei Moderna und 95% bei BioNtech. Der Impfstoff von Astrazeneca ist anderst aufgebaut, ein Vektorimpfstoff, die Wirkungsweise nur etwa bei 60-70%. Aeltere Leute ab ca. 50-60 Jahre sollten sich mit einem der ersten beiden Impfstoffen impfen lassen – der Impfstoff von Astrazeneca ist eher für junge Leute geeignet. Beim Astrazeneca Impfstoff sind diverse Nebenwirkungen,
    bis zum Todesafall aufgetreten. In der EU, in D ist noch keine Zulassung vorhanden.
    Weitere Impfstoffe werden im Laufe des Jahres, im 2021auf den Markt kommen, wenn die Zulassung erteilt ist. Diese sind von Johnson & Johnson USA, von Curevac D, in Tübingen,
    weitere Enwickler und Hersteller sind Novavax USA und Sanofi France.
    Im Internet findet man Heute sehr viele Informationen über die Hersteller und deren Impfstoffe. Meine Meinung ist, wer sich impfen lassen kann, soll das tun – die Krankheitsbilder von angesteckten können so massiv sein, dass der Tod das Ende bedeutet. Die Zahlen der Toten in allen Ländern sind erschreckend, bis Ende Februar 2021 waren es ca. 2,4 Mio. Todesfälle weltweit. In Deutschland waren es bis Ende Februar 2021 – 69170 Tote. Die mutierten neuen Viren sind noch agressiver im Ansteckverhalten.
    Die Ansteckungszahlen zeigen es in D, CH, F etc., dass diese wieder steigen.
    Um diese Pandemie weltweit eindämmen zu können, ist u.A. vermutlich nur eine weltweite Impfung der Bewohner wirksam. Es kann sein, dass in Kürze nur geimpfte Personen z.B. bei Fluggesellschaften, Fähren, etc. akzeptiert sind !
    Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich hoffe ich konnte Euch mit meinem Beitrag ein paar
    Infos geben, die Euch die Entscheidung „soll ich – oder soll ich nicht“ etwas erleichtern.
    LG
    R.H. Schweiz